80.000 Klicks am Tag – im März 2020 erlebten die von storytile gehosteten Live-Blogs Zulauf wie noch nie zuvor. Corona war der Grund, ganz klar, und zahlreiche Corona-Blogs unserer Kunden informierten ihre User:innen aktuell und unmittelbar über die immer ernster werdende Situation. Das forderte auch unsere Server heraus, denn trotz zahlreicher Krisenblogs zu Themen wie Amokläufen, Bombenfunden und ähnlichen unerwarteten Ereignissen hatte es noch nie so viele Zugriffe auf einmal gegeben – nur dank der unermüdlichen Arbeit unserer IT hielten die Server stand. Aber warum sind Live-Blogs so wertvoll für eure User:innen in solchen Krisenzeiten? Hier findet ihr die wichtigsten Gründe, warum ihr bei Krisensituationen unbedingt extra Live-Blogs einsetzen solltet – und damit sogar euren Leser:innen helft, Krisen mental besser zu bewältigen.

Leicht zu befüllen, schnell und aktuell

Gerade in Krisenzeiten prasseln auf Journalist:innen ständig neue Informationen ein, sodass diese genug zu tun haben, die wichtigsten Meldungen zu sondieren und aufzubereiten. Für diese oft eher kurzen Meldungen lohnt sich ein Live-Blog besonders: Alle News können hier leicht eingefügt werden, längere Hintergrundartikel können angeteasert und verlinkt, Fehlermeldungen schnell korrigiert und ergänzt werden. Egal ob es sich um ein lokales Ereignis wie eine Hochwasserkatastrophe handelt oder um einen internationalen kriegerischen Konflikt, die zuständigen Reporter:innen können die Informationen immer dann in den Blog stellen, wenn neue hereinkommen und sich so ganz auf das Ereignis und die Umstände einstellen – und führen ihre Leser:innen damit hautnah an das Geschehen heran.

taras-shypka-iFSvn82XfGo-unsplashDamit ist der Live-Blog immer schnell auf dem neuesten Stand und bietet für Journalist:innen gleichzeitig einen Fundus an Nachrichten, auf denen mögliche weiterführende Artikel basieren können. Diese Artikel kann man wiederum in den Live-Blog einfügen, um so die kurzen Nachrichten mit längeren Hintergrundartikeln anzureichern. Damit schafft man für die Leser:innen die Möglichkeit, sich sowohl schnell mit kurzen Nachrichten zu informieren als auch mit längeren Artikeln bei Interesse mehr recherchieren und erfahren zu können und damit ein umfassendes Bild er Lage zu erhalten. 

Unsere Kunden haben ihre Entscheidung für die Live-Blogs übrigens nie bereut. Auch wenn Nachrichtenhäuser gerade hohe Einbußen erleben, weil viele Einnahmen von Anzeigenkunden wegfallen – aber Live-Blogs wurden durch die Pandemie mehr denn je Anziehpunkte für (neue) User:innen. Gerade sie können heute durch den Fokus auf regionale Entwicklungen ein wichtiges Kriterium für ein Online-Abo sein, wenn sie hinter einer Bezahlschranke liegen. 

Multimediales Angebot gegen den Faktor Angst

Live-Blogs sind multimedial, das liegt in ihrer Natur – und genau das hilft bei Krisenzeiten. Denn manche Nutzer:innen bevorzugen Videos, manche Texte und manche konzentrieren sich eher auf Bilder. Während das bei üblichen Live-Blogs ohnehin schon für eine besondere Nutzerfreundlichkeit sorgt, ist das bei Krisenzeiten entscheidend. Denn so finden alle User:innen die für sie beste Informationsform. Das macht das Angebot niedrigschwellig und sorgt neben einer hohen Nutzerfreundlichkeit auch dafür, dass wirklich alle mitgenommen werden. Gerade in Zeiten, in denen beispielsweise wie bei Corona wichtige Informationen für alle bekanntgegeben werden müssen, helfen Live-Blogs, diese Informationen allen ohne Schwierigkeiten zugänglich zu machen.

wes-hicks-4-EeTnaC1S4-unsplashDas hilft auch gegen die Angst vieler User:innen. Berichten in Krisen quasi alle Nachrichtenportale über ein Thema, gibt es laut Forschung zwei Typen von Verhaltensweisen: Manche vermeiden das Rezipieren von Nachrichten in so einem Fall, um nicht noch mehr Panik zu entwickeln, andere suchen dann nach so vielen Nachrichten wie möglich, um genau damit diese Angst zu bekämpfen. Live-Blogs sind für letztere natürlich das ideale Mittel, immer an viele aktuelle Nachrichten zu kommen und die Panik damit erfolgreich einzudämmen. Aber auch ängstlicheren Nutzer:innen gibt ein Live-Blog, den man aktiv durchscrollen kann, das Gefühl, Kontrolle über die Nachrichtenlage zu behalten, weil man sich die Inhalte leichter aussuchen kann. Gerade in Zeiten, in denen Fake News verbreitet werden, wird ein beständiger, kontinuierlich weiterlaufender Krisen-Blog auch eine emotionale Stütze, um sich sicher informieren zu können – der das Vertrauen in die Medien und besonders zu dem Nachrichtenhaus dahinter stärken kann. 

Journalist:innen spielen hier mit ihrer Arbeitsweise ebenfalls eine wichtige Rolle. Zum einen ist hier Sachlichkeit und die kontinuierliche Bearbeitung sowie die Recherche neuer Informationen wichtig (wie immer im guten Journalismus), zum anderen muss man auch alle User:innen, egal welche Ängste oder Vorbildung sie haben, mitnehmen. Dafür müssen Journalist:innen ihre jeweiligen Leser:innen genau kennen und wissen, wie sie mit welchen Inhalten interagieren, um damit den Live-Blog optimal auszustatten. Denn wenn zum Beispiel bei einem Corona-Blog alle User:innen die wichtigsten Informationen auf ihre individuelle Art rezipieren können (beispielsweise eine Mehrzahl der User:innen Videos oder Infografiken bevorzugt und diese dann in hohem Maße über den Blog bereitgestellt werden), kann man der journalistischen Informationspflicht nachkommen und User:innen die richtige Bewältigungsstrategie für ihre Ängste in der Krise geben – was am Ende sogar hilft, gegen Fehlinformationen vorzugehen und bei Krisen aktiv zu helfen. 

Mobile Reporting mit Nachrichtenwert

Corona hat natürlich auch die Mobile Reporter vorerst in die Homeoffice verbannt – aber andere Krisensituationen, beispielsweise der Fund einer Bombe, brauchen gutes Mobile Reporting vor Ort. Über die App können Reporter:innen dann direkt vor Ort über die neuesten Entwicklungen berichten, Fotos schießen und gemeinsam mit anderen Journalist:innen die Beiträge erarbeiten, um sie noch von dem Ort des Geschehens aus zu publizieren und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

austin-distel-QK1OhZmopBo-unsplashSo gelingt aktives und immer aktuelles Storytelling, bei dem Reporter:innen ihre Geschichten unabhängig von einer festen lokalen Redaktion multimedial erzählen können. Und sie sind damit nahe an den wirklich packenden Themen, Stichwort Nachrichtenwert: Eine Nachricht wird dann berichtenswert, wenn sie bestimmte Nachrichtenwerte erfüllt und vor allem wenn sie diese stark erfüllt. Dabei geht es um Faktoren wie dass sie zeitlich aktuell ist, alle/viele Individuen betrifft oder hohes Potenzial hinsichtlich Schaden oder Nutzen hat. Gerade Ereignisse wie Corona, aber auch ein Bombenfund oder Amoklauf, erfüllen diese Nachrichtenwerte – und finden dann im Live-Blog die beste Verarbeitungsmöglichkeit, um vor allem der Aktualität Rechnung zu tragen. Damit wird der Live-Blog zur optimalen Unterstützung bei Geschichten, die von gutem Mobile Reporting außerhalb des normalen Redaktionsarbeit leben. 

Nach dem Live-Blog ist vor der Dokumentation

male-videographer-edits-and-cuts-footage-and-sound-2021-08-30-06-28-56-utcWenn ein solcher Blog länger andauert, nennt man ihn meistens nicht mehr Live-Blog, sondern eher News-Blog (auch wenn die Begriffe dafür keine genaue Abgrenzung haben). Während ein Ereignis wie ein Attentat normalerweise zeitlich abgegrenzt geschieht und der damit verbundene Live-Blog irgendwann ein Ende findet, laufen längere Ereignisse wie der Brexit dann meist in einen News-Blog über, in dem mal mehr, mal weniger geschieht, der Blog aber noch nicht abgeschlossen ist – zumindest war das bisher so.

Corona hat auch hier alles durcheinandergewirbelt: Durch die vielen Wellen gab es immer wieder heiße Phasen in denen Live-Blogs im Minutentakt aktualisiert wurden, und entspanntere Phasen, in denen die Frequenz und Aktualität abnahm. Aber eines geschah nie: Die Live-Blogs wurden nie beendet, denn die User:innen wollten auf die Möglichkeit, sich über die Live-Blogs immer informieren zu können, nicht mehr verzichten. Darum bleiben Corona-Blogs wohl noch einige Zeit erhalten und werden mal stärker, mal weniger stark, aber immer kontinuierlich aktualisiert.

Wenn ein Ereignis dann doch nach einiger Zeit wirklich vorbei ist, wird der Live- bzw. News-Blog zum einzigartigen Dokument, weil er im Rückblick ein Event genauso abbildet, wie es geschehen ist, in damaliger Echt-Zeit und in den wichtigsten Geschehnissen. Daraus lassen sich dann, wie schon erwähnt, Hintergrundartikel erstellen, aber die Blogs selbst sind dabei ein Dokument für sich, das im Rückblick viele Verläufe, Entwicklungen oder Probleme noch mal klar in ihrem zeitlichen Verlauf zeigen kann. Bei den Corona-Blogs ging es zu Anfang zum Beispiel oft um nur einzelne lokale Krankheitsfälle, später um Berichte um Hamsterkäufe (Stichwort Klopapier!), bis die pandemische Lage ernster und ernster wurde. Scrollt man noch mal durch die Anfänge solcher Corona-Blogs, wird einem erst klar, was alles nach und nach geschehen ist und wie es zu bestimmten problematischen Situationen kam.

Aber wir müssen eines noch hervorheben: Es muss nicht immer eine Krise sein, um einen Live-Blog auch kurzfristig sinnvoll einzusetzen. Auch Wahlen, Sportereignisse oder Demonstrationen sind gute Gelegenheiten, um die Leser:innen immer aktuell mit neuem Content zu versorgen. Ein Live-Blog lohnt am Ende in jeder Lebenslage und bringt alle aktuellen Ereignisse mit hohem Nachrichtenwert in eine gute Form. 

Kleiner Use-Case in Sachen Corona-Krisen-Blogs

Dieser Artikel entstand übrigens in Zusammenarbeit mit Alisiya Ivashchenko, inzwischen Teamlead Projektmanagement bei storytile. Sie hat 2020 ihre Bachelorarbeit abgegeben, und der Artikel hier beruht auf vielen ihrer Ergebnisse – die übrigens auch zu einem sehr guten Abschluss ihres Studiums geführt haben! Der vollständige Titel dieser Arbeit im Fach „Management Sozialer Innovationen“ hieß übrigens: „Mediale Kommunikation in Krisen. Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Produzent:innen und Rezipient:innen am Beispiel der Corona-Pandemie“ – wer mehr darüber wissen will, darf sie unter alisiya@storytile.net gerne anschreiben (und natürlich bei allen Fragen zum Projektmanagement 😊).

Hier folgen noch ein paar ihrer Ergebnisse, vor allem zu der Frage: Wie sahen Krisen-Blogs bisher in der Corona-Krise speziell aus? Wir haben bei unseren Kunden seit Januar 2020 die ersten Corona-Blogs erlebt, ab März hatte fast jedes Nachrichtenhaus einen extra Krisen-Blog zu dem Thema eingerichtet. Der Umfang der Berichterstattung reichte dabei von Blogs, die Corona allgemein zum Thema hatten bis zu Blogs, die eher auf bestimmte regionale Gebiete und deren Entwicklungen bezüglich Corona konzentriert waren.

Daten nach Angaben durch storytile UG (haftungsbeschränkt). Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Seitenaufrufe auf die von storytile UG (haftungsbeschränkt) verwalteten Live-Blogs nach Monat (Jan-Mai 20)

 

Und wie man sieht, hatte das starke Auswirkungen auf die Aufrufe von der von storytile technisch verwalteten Blogs. Die monatlichen Seitenaufrufe stiegen von 2,46 Millionen auf 12,45 Millionen, die täglichen Aufrufzahlen stiegen ebenso immer stärker an, je weiter sich die Infektionen in Deutschland ausgebreitet haben. Dass es ein Jahr vorher, ohne die akute pandemische Situation, die Zahlen viel geringer waren, erklärt sich da von selbst - und man sieht es in der Grafik auch sehr deutlich beim Jahresanfang.

Tägliche Seitenaufrufe; Daten nach Angaben durch storytile UG (haftungsbeschränkt. Die Abbildung zeigt die tägliche Entwicklung der Seitenaufrufe auf die von storytile UG (haftungsbeschränkt) verwalteten Live-Blogs (Jan-Mai 20)

Auch die Grafiken und die zugrunde liegenden Zahlen zeigen, wie stark der Andrang auf die von uns gehosteten Live-Blogs war. Nicht nur die Zahlen, auch die wissenschaftlichen Studien bestätigen, was unsere Kunden im Bereich der Nachrichtenhäuser längst wissen: Live-Blogs werden nicht nur stark genutzt, sie erfüllen über die Informationspflicht hinaus wichtige Aufgaben wie emotionale Unterstützung. Darum ist es so zentral zu betonen, dass die Medien, die oft Kritik an ihrer Corona-Bericht erhalten haben, gerade in den Live-Blogs so aktuell und umfassend berichtet und reagiert haben.  Für die Nachrichtenhäuser war das in ihrer ganzen Berichterstattung meist das wichtigste Format, um den Nutzer:innen die wichtigsten Informationen liefern zu können - und damit ein Format, dass weiterhin starke Relevanz hat.

Geschrieben von Dr. Diana Mantel  am 16.2.2022

Dr. Diana Mantel

Dr. Diana Mantel arbeitet als Corporate Communications Expert bei storytile - und kümmert sich neben dem Liveblogging auf Events auch um alle Themen rund um Blogging und Co.